Theater, das verbindet: „All das Schöne“ begeistert Jugendliche im SAL Schaan
Ein besonderer Theaterbesuch führte die Schülerinnen und Schüler der 4. Stufe der Oberschule Eschen ins SAL in Schaan. Auf dem Spielplan stand das aussergewöhnliche Solo-Stück „All das Schöne – Solo mit Publikum“ von Duncan Macmillan – ein Theatererlebnis, das noch lange nachwirken dürfte.
Sensibel vorbereitet – achtsam begleitet
Da das Stück sensible Themen wie Suizid behandelt, wurde der Theaterbesuch im Vorfeld mit allen Beteiligten sorgfältig besprochen. Auch im Anschluss wird das Erlebte in Workshops gemeinsam reflektiert und nachbearbeitet. Diese bewusste Einbettung schuf einen geschützten Rahmen für ein Stück, das bewegt, fordert – und gleichzeitig Hoffnung schenkt.

Mitten auf der Bühne – mitten im Geschehen
Das Besondere an diesem Theaterbesuch: Die Jugendlichen sassen nicht im Zuschauerraum, sondern mitten auf der Bühne. Sie waren sprichwörtlich mittendrin statt nur dabei. Jede und jeder Einzelne übernahm mindestens eine kleine Rolle oder beteiligte sich aktiv am Geschehen.
Manche schlüpften in Figuren wie die Schulsozialarbeiterin, den Vater, die Freundin oder gar ein älteres Ehepaar. Andere lasen Begriffe vor oder reagierten spontan auf Fragen. So entstand ein lebendiges Zusammenspiel zwischen Publikum und Darsteller – authentisch, direkt und auf Augenhöhe.

Improvisation auf höchstem Niveau
Hauptdarsteller Maximilian Schaible meisterte diese besondere Form des interaktiven Theaters mit beeindruckender Souveränität. Mit Feingefühl, Humor und grosser Präsenz improvisierte er auf höchstem Niveau und band die Jugendlichen gekonnt ins Geschehen ein. Jede Reaktion wurde aufgenommen, jeder Beitrag wertgeschätzt.
Auch Regisseur Frederic Lilje verfolgte die Vorstellung aufmerksam aus dem Publikum – ein Zeichen für die besondere Bedeutung dieses Anlasses.
Ein Stück über das Leben
Zum Inhalt nur so viel: Im Zentrum steht ein junger Mensch, der nach dem Suizidversuch seiner Mutter beginnt, eine Liste mit „all dem Schönen“ im Leben zu schreiben – als Versuch, Gründe zu sammeln, warum das Leben lebenswert ist. Aus kindlicher Perspektive entsteht so eine berührende, manchmal humorvolle, manchmal schmerzhafte Auseinandersetzung mit Verlust, Hoffnung und der Kraft kleiner Dinge.

„All das Schöne“ – nun auch aus Eschen
Im Anschluss an die Vorstellung griffen viele Jugendliche die Idee der Liste auf. Auf Stofffetzen schrieben sie eigene Begriffe und erweiterten damit die illustre Sammlung, die mit Zitroneneis, Wasserschlachten, Länger aufbleiben als sonst und fernsehen oder die Farbe Gelb begann und mit IKEA-Hot Dogs, Diddl-Puppen sammeln, Ins Meer pinkeln und keiner merkt’s etc., eine freundliche Umarmung, Traktor fahren oder am Töffli schrauben ergänzt wurde.
Es sind diese scheinbar kleinen, alltäglichen Momente, die zusammenschweissen – und genau das machte dieser Theaterbesuch spürbar.

Ein Schultheaterbesuch, der bleibt
„All das Schöne“ zeigte eindrucksvoll, wie Theater heute sein kann: interaktiv und fesselnd, spannend und nahbar. Es nahm die Jugendlichen ernst, forderte sie heraus und gab ihnen Raum.
Eine äusserst gelungene Vorstellung – und ein Schultheaterbesuch, der der 4. Stufe der Oberschule Eschen wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Text und Bilder: Bandi Koeck

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