Motivator Alexander Wieser spricht vor allen Schülern der 4. Stufe
Einen eindrucksvollen und nachhaltig wirkenden Vortrag erlebten die Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen der Oberschule und der Realschule Eschen. Vor den 9. Stüflern beider Schulen sprach Alexander Wieser offen und schonungslos über seinen Lebensweg – einen Weg, der ihn von schwierigen Jugendjahren über internationale Fahndung und Haft bis hin zu einem erfolgreichen Neuanfang führte.
Alexander Wieser, 1977 in Schruns (Vorarlberg) geboren, schilderte, wie sein Leben bereits in jungen Jahren aus der Bahn geriet. Ausgangspunkt war eine Bürgschaft über 170.000 Euro, die er gemeinsam mit seinem Vater übernommen hatte. Als der Vater spurlos verschwand, blieben für ihn hohe Schulden zurück. Um diese zu begleichen, arbeitete Wieser zeitweise bis zu fünf Jobs gleichzeitig. Der zunehmende finanzielle und psychische Druck führte ihn schliesslich auf die schiefe Bahn. In dieser Phase beging er zahlreiche Straftaten – insgesamt 23 Delikte, darunter auch spektakuläre Diebstähle in Juweliergeschäften, etwa in Vaduz. Zeitweise wurde er international gesucht (Österreich, Liechtenstein, Schweiz, Deutschland) und kam mehrfach mit dem Strafvollzug in Kontakt.
Die Verhaftung im Jahr 2007 markierte einen Wendepunkt. Während seiner Haftaufenthalte in Liechtenstein, der Schweiz und in Vorarlberg begann Wieser, sein bisheriges Leben kritisch zu reflektieren und darüber zu schreiben. Aus dieser intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst entwickelte sich Jahre später der Entschluss, seine Geschichte öffentlich zu machen – zunächst in Buchform, später auch als Speaker und Motivator.
Heute ist Alexander Wieser erfolgreicher Unternehmer und betreibt ein Autolackzentrum in Liechtenstein und Zürich. Als Vortragender ist er vor allem an Berufs- und weiterführenden Schulen in Vorarlberg bekannt. Der Auftritt in Eschen war sein erster Vortrag vor einer Schulklasse in Liechtenstein – ein Umstand, den er selbst besonders hervorhob.
In seinem Vortrag sprach Wieser nicht nur über Kriminalität und Haft, sondern vor allem über zweite Chancen, Verantwortung und die Bedeutung von Loyalität und Ehrlichkeit. Eindrücklich wandte er sich auch gegen Fremden- und Ausländerhass. Ein Satz blieb vielen Jugendlichen besonders im Gedächtnis: „Der Einzige, der mich von meinen vielen Freunden und Kumpels im Gefängnis besuchte, war ein Türke.“ Damit machte er deutlich, wie falsch Vorurteile sein können und wie wichtig menschlicher Zusammenhalt ist.
Die Schülerinnen und Schüler hörten aufmerksam zu, stellten zahlreiche Fragen und zeigten sich sichtlich betroffen von der Offenheit und Authentizität des Referenten. Gerade der Bezug zu Liechtenstein und die klare Botschaft, wie entscheidend gute Entscheidungen, Zielorientierung und eine solide Ausbildung für den eigenen Lebensweg sind, machten den Vortrag besonders glaubwürdig und relevant.
Aus pädagogischer Sicht wurde deutlich, dass Alexander Wieser Jugendliche sehr gut erreicht. Er spricht ihre Sprache, beschönigt nichts und wirkt zugleich motivierend. Sein Lebensweg zeigt eindrucksvoll, dass Fehler gravierende Folgen haben können, dass es aber möglich ist, Verantwortung zu übernehmen und einen neuen, positiven Weg einzuschlagen. Der Vortrag hinterliess bei vielen Lernenden einen nachhaltigen Eindruck und setzte wichtige Impulse für ihre eigene Zukunftsgestaltung.
Text und Bilder: Bandi Koeck

auf Facebook teilen

