Fünf Tage Erasmus+ – und plötzlich ein neues Leben
Was passiert, wenn man für fünf Tage an eine Schule fährt, um einfach mal über den Tellerrand zu schauen? Bei mir ziemlich viel – denn aus fünf Tagen Erasmus wurden am Ende ein neuer Arbeitsplatz, ein neues Zuhause und ein komplett neuer Lebensabschnitt.
Im Juni 2025 durfte ich im Rahmen von Erasmus+ fünf Tage lang an der Oberschule Eschen hospitieren. Mein Ziel war eigentlich ganz einfach: Ich wollte einen Einblick in den Schulalltag in Liechtenstein bekommen, andere Unterrichtsformen kennenlernen und neue Ideen für meinen eigenen Unterricht sammeln.
Schon am ersten Tag fiel mir etwas auf, das ich aus meinem Schulalltag in Deutschland überhaupt nicht gewohnt war: kleine Klassen. Zwölf Schülerinnen und Schüler sassen in einem Klassenraum – und jedes Kind hatte seinen eigenen Laptop. Ich war Klassen mit teilweise 30 Schülerinnen und Schülern gewohnt. Die kleinere Gruppengrösse hat mich sofort begeistert. Es war deutlich leichter, persönliche Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern aufzubauen und gleichzeitig einzelne Kinder gezielter zu unterstützen.

Aber nicht nur die kleinen Klassen haben mich beeindruckt. Die Schule wirkte auf mich von Anfang an sympathisch und offen. Die Räume waren modern und gemütlich gestaltet, digitale Medien wurden selbstverständlich eingesetzt und im Unterricht wurde viel Wert auf selbstständiges Lernen gelegt.
Auch ausserhalb des normalen Unterrichts durfte ich viel erleben: ein Rutschen-Event im Freibad für die Primarschule, Schwimmen in der Grossabünt und einen Klassenausflug zum Erlebnisberg Golm mit Rutschen und Sommerrodelbahn.
Nach diesen Tagen war ich von der Schule und von Liechtenstein begeistert. Die kleine, persönliche Atmosphäre, die moderne Arbeitsweise und die wunderschöne Umgebung haben mich sofort angesprochen. Dazu kam ein ganz persönlicher Grund: Mein Partner lebt in Liechtenstein. Plötzlich war der Gedanke, vielleicht irgendwann selbst hier zu leben und zu arbeiten, gar nicht mehr so abwegig.
Dass daraus tatsächlich einmal mein neuer Arbeitsplatz werden würde, hätte ich damals trotzdem nicht gedacht. Im April wurde dann eine Stelle ausgeschrieben – und ich hatte großes Glück.
Heute stehe ich tatsächlich auf der anderen Seite: Ich bin Lehrerin an der Oberschule Eschen und unterrichte Mathe, RZG, WAH und Zeichnen. Mein Start an der neuen Schule war richtig gut. Das Kollegium hat mich sehr herzlich aufgenommen und ist unglaublich hilfsbereit. Und auch die Schülerinnen und Schüler haben mich positiv überrascht: Sie sind freundlich, hilfsbereit, arbeiten selbstständig und wirken motiviert, etwas zu lernen – zumindest bis jetzt. ;)
Ohne meine Erasmus-Erfahrung hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut, diesen grossen Schritt wirklich zu machen. Also: Wenn sich euch eine Erasmus-Chance bietet, nutzt sie – man weiss nie, wohin sie euch führt.
Text und Bilder: Simone Terheggen

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