Erinnern heisst Verantwortung tragen – 19. Holocaust-Gedenkfeier am SZU Eschen
Vergangenen Mittwoch fand im Gemeindesaal Eschen die 19. Holocaust-Gedenkfeier der Oberschule Eschen statt, die wie bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Realschule Eschen durchgeführt wurde. Der würdige Anlass wurde von Bandi Koeck und Arno Brändle über mehrere Monate hinweg sorgfältig vorbereitet, organisiert und umgesetzt.
Persönliche Gegenstände
Zentrales Symbol der Gedenkfeier ist ein ein Kubikmeter grosser Quader aus Plexiglas. Er steht stellvertretend für die 1,5 Millionen jüdischen Kinder, die während der Shoah ermordet wurden. Um diese unfassbare Zahl begreifbar zu machen, wäre es notwendig, fast 2.000 solcher Quader zu füllen. Bereits im vergangenen Jahr brachten die über 500 Schülerinnen und Schüler Spielzeuge wie Puppen, Plüschtiere oder Spielzeugautos mit. Jedem Kind wurde dabei der Name eines gleichaltrigen, ermordeten jüdischen Kindes zugewiesen. Heuer wurde der Quader vollendet: Rund 800 Gegenstände befinden sich nun darin und machen sichtbar, wie Kinder und Jugendliche von heute symbolisch der getöteten Kinder von damals gedenken. Dieser Quader wird durch seine Platzierung im SZU ein ständiges Erinnern ermöglichen.
Persönliche Überlebensgeschichte
Ein besonderer Schwerpunkt der diesjährigen Gedenkfeier war der Besuch eines der letzten noch lebenden Holocaust-Zeitzeugen, die bereit sind, vor Jugendlichen zu sprechen. Prof. Ivan Lefkovits, 89 Jahre, reiste gemeinsam mit seiner Gattin aus Basel an. Für diesen Besuch sagte er sogar eine Einladung ins Bundeshaus in Bern ab – eine ausserordentliche Ehre und eine der letzten Gelegenheiten für junge Menschen, Geschichte aus erster Hand zu erleben.
In einem sehr persönlichen, eindrücklichen und bewegenden Vortrag berichtete Lefkovits von seinem Leben. 1944 wurde er gemeinsam mit seiner Mutter und seinem fünf Jahre älteren Bruder ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert, später folgte der Todesmarsch und die Internierung im KZ Bergen-Belsen nahe Berlin. Er schilderte den allgegenwärtigen Hunger, den unerträglichen Durst – „Durst war schlimmer als Hunger, da man ihn nicht verdrängen kann“ – und wie seine Mutter ihn mit Mathematikaufgaben vom Leid abzulenken versuchte. Nach der Befreiung musste er elf Tage dursten, bis er wieder Flüssigkeit zu sich nehmen konnte.
Achtsamkeit und Dialog
Trotz allem sprach Lefkovits ohne Hass. Er zeigte historische Bilder, berichtete von seinem Weg als renommierter Immunologe, seiner Arbeit auf internationaler Ebene, unter anderem bei der UNO, und betonte die Bedeutung von Menschlichkeit, Achtsamkeit und Dialog.
Arno Brändle fand eindringliche Worte und appellierte an die interessierten Lernenden, bevor Schulleiter John Zimmermann sich sichtlich gerührt im Namen des SZU bedankte. Ein weiterer Programmpunkt war die Ausstellung „The Last Swiss Holocaust Survivors“ der Gamaraal Stiftung von Anita Winter, die von Benjamin Koeck gemeinsam mit seiner Klasse aufgebaut wurde.
Die Gedenkfeier machte einmal mehr deutlich, wie wichtig Erinnerung, Verantwortung und Begegnung sind – gerade für junge Menschen von heute.
Text: B. Koeck, Fotos: J. Posch

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