4. Stufe bei Podiumsdiskussion bezüglich der Fristenlösung
Am 15. 09. 2026 begab sich die 4. Stufe der Oberschule Eschen nach Schaan ins SAL, um an der Podiumsdiskussion bezüglich der Fristenlösung teilzunehmen. Ebenfalls an diesem Tag war der internationale Tag der Demokratie.
Zu Beginn wurde die 4. Stufe zusammen mit weiteren Schulklassen des Landes im SAL versammelt und vom Moderator begrüsst sowie in das Thema kurz eingeleitet, um auch für alle klarzustellen, worum es denn in dieser Diskussion gehen soll. Folgend der Einleitung wurden die verschiedenen Vertreter der jeweiligen Meinungen vorgestellt. Auf der rechten Seite der Bühne befand sich eine Initiantin, der Initiative zur Fristenlösung, Frau Tuana Türkyilmaz. Auf der linken Seite vertretend die Kontra-Meinung bezüglich der Fristenlösung, sass die Seelsorgerin Frau Carolin Brändle von der evangelischen Kirche Werdenberg.

Vor der Diskussion gab der Wahlpflichtkurs Politik des liechtensteinischen Gymnasiums einen kurzen Blick in die Vergangenheit der Frage bezüglich der Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Liechtenstein in Form von einem Kurzvideo. Informiert wurde in diesem z.B. darüber, dass Liechtensteinerinnen in Nachbarländern seit 2015 unter bestimmten Voraussetzungen straffrei Abtreibungen durchführen können. Die erste Entscheidung gegen die Legalisierung der Abtreibung fiel im Jahr 2011, einerseits durch die Ablehnung des Landtags sowie einer Volksabstimmung die, die Initiative zu 52,3% ablehnte. Auch im Jahr 2011 gab es eine Ankündigung des Vetorechts.
Während der Diskussion machte die Pro-Seite klar, dass die heutige Gesetzeslage sowie das generelle Informationsverbot, das zurzeit in Liechtenstein herrscht, so nicht mehr tragbar seien. Die Initiative fordert eine tragfähige Lösung im Land und, dass die Kosten durch die Krankenkassen übernommen werden. Der Hauptpunkt dieser Forderung ist die Entscheidungsfreiheit der betroffenen Person. Ebenfalls wichtig zu erwähnen fand die Pro-Seite, dass die Fristenlösung keinen Lebensschutz abschaffen würde. Abtreibung sei keineswegs eine leichtfertige Entscheidung sei, sondern ein anspruchsvoller Prozess.
Zu jedem Argument gibt es auch ein Gegenargument, dieses hier wurde von der Contra-Seite dargebracht: Die Gefährdung bzw. die nicht dargebotene Beachtung des ungeborenen Lebens. Sie ist der Meinung, es brauche mehr Unterstützung für Frauen in schwierigen Situationen, Hilfsangebote sowie das Aufzeigen von Alternativen wie z.B. einer Adoption. Es brauche ein stabiles soziales Netz, das die Frauen in Ausnahmesituationen auffängt und trägt. Die Finanzierung über die Krankenkassen sieht sie kritisch, da sie laut eigener Aussage nicht für etwas aufkommen möchte, was sie nicht unterstütze. Sie zitierte: „Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit eines anderen beginnt“ von Immanuel Kant.

Drei Expertinnen brachten zu drei verschiedenen Aspekten dieser umgreifenden Diskussion ebenfalls einen sachlichen Beitrag zu den verschiedenen Themen bei. Den medizinischen Teil und den Ablauf einer Abtreibung, brachte die Chefärztin Carolin Blume vom Kantonsspital Graubünden ein. Den politischen Aspekt beleuchtete Dr. Karin Frick vom Liechtenstein-Institut. Lisa von Reden vom Verein für Menschenrechte gab einen Einblick auf die rechtliche Situation, die gerade in Liechtenstein festgelegt ist.
Als sich die Diskussion langsam einem Ende zuneigte, war es den Schülerinnen und Schülern im Publikum möglich sich an der Diskussion zu beteiligen und Fragen zu stellen. Am Anfang der Veranstaltung stimmten 68 % der Jugendlichen für die Initiative. Nach der Diskussion waren es mehr als 76 %. Der Anteil der Unentschlossenen sank auf 8 %, 16 % lehnten die Initiative ab. Diese Abstimmung ersetzt zwar keine Volksabstimmung, zeigt aber klar, dass auch Wahlunberechtigte eine Meinung haben können und wo diese, in einer Veranstaltung wie dieser grösstenteils liegt. Eben diese Jugendliche ein solches Event besuchen zu lassen und ihnen die Möglichkeit zu geben sich eine Meinung zu einem solch wichtigen Thema in Liechtenstein zu bilden, ist ein sehr grosser Fortschritt, politische Themen den Jugendlichen näher zu bringen.
Text: Lukas Marxer 4c, Bilder: Désirée Bader

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