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26.11.2020
Erste Schulklasse weltweit, die deutsches Zeitzeugnis zu Gesicht bekommt
Sichtlich stolz zeigten sich die Schülerinnen und Schüler der 3a, nicht nur, da sie als bislang einzige Klasse von ganz Liechtenstein am interaktiven Projekt „iWitness“ der University of Southern California (USC) teilnehmen konnten, sondern auch, dass sie weltweit die ersten waren, welche die Projekt-Premiere sehen durften.

Die Vorbereitungen für dieses besondere oral history-Projekt begannen einige Wochen zuvor. Klassenlehrer Bandi Koeck bereitete seine zwölf Schützlinge auf das sensible Thema „Shoah“ im RZG-Unterricht mit seinem praxiserprobtem Unterrichtsmaterial vor, schliesslich sollte das meiste aus dem Projekt mit der heute 95-jährigen Zeitzeugin Anita Lasker-Wallfisch herausgeholt werden. Initiator dieses Projektes ist niemand geringeres als der US-amerikanische Filmemacher Steven Spielberg, der die USC  Shoah Foundation im Rahmen des Films „Schindlers Liste“ ins Leben rief. 55.000 Interviews wurden geführt. „Würde man alle diese Filme hintereinander schauen, dann wäre man Jahre dran“ erklärte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Sanna Charlotte Stegmeier von der Universität Potsdam und Humboldt-Universität zu Berlin den Liechtensteiner Schülern. 

 

Seit 2010 wird das „visual history archive“ länderübergreifend mit interaktiven Zeitzeugnissen aufgebaut. Grund dafür ist, dass die letzten Überlebenden des Holocausts nicht mehr lange unter uns sein werden. Das interaktive Projekt besteht aus einem aufwendigen Prozess, so wurde die charismatische Zeitzeugin Anita Lasker-Wallfisch, eine jüdische Überlebende, die durch Glück das NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau überlebt hatte, indem sie Cellistin im Orchester von Auschwitz war, in London aufgenommen wurde. 22 Kameras filmten die Dame fünf Tage lang in einem grossen Greenscreen-Raum. Insgesamt wurden ihr über 2.000 Fragen gestellt. Lasker-Wallfisch wurde als die Russen immer näher nach Auschwitz, dem heutigen Oświęcim, kamen, ins KZ Bergen-Belsen verlegt und am 5. April 1945 durch die Engländer befreit. Fortan war sie eine sog. „displaced person“ und konnte nicht mehr zurück in ihr altes Zuhause in Breslau (heute Wrocław in Polen). Sie sei dann nach Israel emigriert und habe noch mehr Probleme gehabt, sagte sie im Einleitungsvideo offenherzig. 

 

Die 3a Klasse der Oberschule Eschen bekam einen Nachmittag lang Gelegenheit, als erste Schulklasse die Betatestphase des aufwendig programmierten „Dimensions-in-Testimony-Systems“ zu testen. Die Schülerinnen und Schüler konnten der Zeitzeugin über die Plattform Zoom quasi in Echtzeit ihre Fragen stellen und bekamen eine augenblickliche Antwort. Im Anschluss wurde über die Erfahrungen mit der Interaktion aus Schülersicht gesprochen. Auf der iWitness-Webseite wurden die Notizen und Recherchen der Lernenden kategorisch abgespeichert und standen somit für eine Nachbereitung und Vertiefung des Gelernten zur Verfügung. Die Pilotphase soll mit Ende Januar 2021 abgeschlossen werden und dann für den schulischen Projektunterricht weltweit genutzt werden können. Weitere Informationen unter https://iwitness.usc.edu/sfi/. (koe)